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Umbau Wohnhaus mit Neubauerweiterung und Ateliergebäude

Bauherr: Thomas Schätz, München
Bauort: Bad Abbach/Poikam
Planung/Bauleitung: fabi architekten bda
Projektleitung: Nina Fabi
Mitarbeiter: Kristina Engelmayr, Julia Geigenberger, Peter Krackler

Planungszeit: 01.2010 - 08.2010
Bauzeit: 09.2010 - 07.2011
Wohnfläche: 330 m²
(WH I= 67 m², WH 2= 138 m², WH 3= 83 m², Atelier= 42 m²)
urprüngl. Bestand: 196 m²
Bruttorauminhalt: 2.170 m³

Veröffentlicht:
10 Häuser², Verlag Büro Wilhelm 2016
>> Siedlungshäuser, DVA 2013
>>„Energieeffizient Bauen und Modernisieren“ des Bundesministerium f. Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 2013
>> wais architekturkalender 2013
>>Architektouren 2012

Das Bestandsgebäude zeigte sich als klassisches 2-Familienhaus aus den 1960-er Jahren, welches weitgehend bezuglos am nordöstl. Rand eines sehr großen Grundstücks mit einem ländlichen Obstgarten platziert war. Das 196 m² große Haus wurde vor der Umgestaltungsmaßnahme alleine von der betagten Mutter des Bauherren bewohnt, wobei Teile des Erdgeschosses und das ges. Dachgeschoss bereits nicht mehr genutzt wurden. Die Wohn-& Komfortqualität des Bestandes entsprach in keiner Weise einem altersgerechtem Wohnen.

Zudem wünschte der Auftraggeber die Wohnfläche so zu erweitern, dass er seinen Wohnsitz nahe bei seiner Mutter legen kann, ein räumlich vom Wohnen getrenntes Atelier für seinen Freund, einen Grafikdesigner und Maler errichtet wird sowie eine zusätzliche Wohneinheit für eine Familie mit einer Betreuungsperson zur Vermietung entsteht. Dabei sollte der Außenraum so gegliedert werden, dass uneinsehbare, differenzierte private Freiräume für jede der 3 Parteien angeboten werden können.

Erschwert wurde die Aufgabenstellung dadurch, dass die Mutter des Bauherren während der Maßnahme im Haus wohnen bleiben musste, da er ihr keinen Zwischenumzug in eine ungewohnte Umgebung zumuten wollte.

Der Entwurf sieht im EG des Bestandes eine 67 m² große altersgerechte Wohnung vor, welche barrierearm ( schwellenfreie Dusche, ebener Freisitzzugang, lichte Türbreiten 1,0 m, etc… ) die Wohnqualität und den Komfort der Mutter deutlich erhöht. Diese Wohnung und die DG-Wohnung wurden im 1. Bauabschnitt erstellt, so dass während des Umbaus die Mutter in Ihrem gewohnten Umfeld verbleiben konnte. Im 2. Bauabschnitt wurde dann der Neubau für die Wohnnutzung des Bauherren, das Atelier und der restliche Teil des Bestandes im EG erstellt.

Der eingeschossige Neubau dreht sich vom Bestand ab, so dass sehr differenzierte Außenräume von völlig privaten bis gemeinschaftl. Räume der Kommunikation entstehen. Eine gegenseitige Verschattung wird durch die Gebäudestellung ausgeschlossen. Im Neubaukörper befindet sich der offene Wohn-,Ess- u. Kochbereich. Die Süd-Giebelseite ist völlig verglast, fokusiert so den Obstgarten und holt das Grün in das Gebäude. Der transparente Eingangsbereich verbindet den Neubau mit den individualräumen im Bestand. Gestalterisch wurde der Erweiterungsneubau dem Bestand als zeitgemäßer, ländlich ruhiger Satteldachkörper angepasst. Die entstandene Hofsituation greift ausserdem die ortstypische Bebauung in Poikam auf. Das Ortsbild besteht weitgehend aus Dreiseithöfen und landwirtschaftl. Nutz-und Wohngebäuden mit Holz-und Putzfassaden. Die ursprünglich gestaltprägenden Bauteile des Bestandsgebäudes ( Treppe, Geländer, etc… ) wurden wieder frei gelegt bzw. saniert, so dass der architektonische Charakter der 1960-Jahre wieder erlebbar wurde.

Das Ateliergebäude – ein schlichter, kantenscharfer Holzbauwürfel – dreht sich vom Wohnensemble ab und orientiert sich nach Nordosten zum Grün der Obstbäume. Die lichte Räumhöhe von 4,5 m sind für die großformatigen Bilder des Künstlers konzipiert.

Durch die Maßnahme entstehen 3 getrennte individuelle Wohneinheiten und ein Ateliergebäude in räumlicher Spannung zueinander im komplett erhaltenen Obstbaumbestand. Der Mutter wird weitgehend das selbstständige Wohnen in ihrer bekannten Umgebung ermöglicht. Trotzdem haben Jung und Alt, Mieter und Eigentümer völlig private Rückzugs- & Freibereiche Das Grundstück wird jetzt deutlich dichter, werthaltiger und generationsübergreifend weitergenutzt.