Haus Weisse

Neubau Wohnhaus Weisse in Ludwigsstadt

Bauherr: Bernd Weisse

Planungszeit: 06.2006 – 03.2008
Bauzeit: 09.2007 – 09.2009
Wohnfläche: 300 m²

Veröffentlicht: >> Besser bauen, besser wohnen, DVA 2015
>> Masterpieces BUNGALOW, Braun Verlag, 2013
>> BDA Auszeichnung guter Bauten in Franken 2012

Ludwigsstadt liegt in einer Kaltluftschneise zwischen zwei Mittelgebirgszügen in Oberfranken. Die Stadt wird von einer Eisenbahnlinie durchzogen, deren Schallemissionen durch die Gebirgswände in den Ort reflektiert werden. Die Sommer sind kurz, die Winter lang. Die Entscheidung der Bauherren, daher ein Grundstück im Randbereich der Stadt, auf einem gut besonnten Hügel zu wählen und ein Haus zu bauen, welches jeden Sonnenstrahl aufnimmt, sich baulich den klimat. Bedingungen behauptet und in jeder Jahreszeit nutzbare, qualitative und sehr differenzierte Aussenräume bietet, war mehr als nachvollziehbar.

Die gesamte Region ist durchzogen von alten Schieferbrüchen. Schiefer prägt somit in der Verwendung als Baumaterial v.a. in der Fassadengestaltung wesentlich die kleinen Ortschaften der Umgebung. Das Grundstück liegt in einem kleinen, gewachsenen Gebäudeensemble, bestehend aus 3 alten Höfen mit Wohngebäuden und mehreren Scheunengebäuden aus dunkel verwittertem Holz. Zusammen mit einzelnen, weiss verputzten Wandflächen und Schieferverkleidungen wirkt der ganze Ort wie eine Kollage, aus einzelnen, kontrastierenden Flächen zusammengesetzt. Die Landschaft ist durchzogen von schwarzen Schieferplatten der ehem. Brüche, durch die sich die Landschaft ihr Territorium langsam zurückerobert. Grüne Flächen durchziehen schwarze Flächen. Die Themen Schichtung, Kontrast und Kollage waren die wesentlichen Grundlagen für den Entwurf.

Das Gebäude liegt an einem steilen Hang, teilweise in einem Landschaftsschutzgebiet. Ein sensibler, vorsichtiger Umgang bei der Baumassnahme ist daher Vorraussetzung und auch Vorgabe der Behörden. Das Gebäude wird auf der unteren Ebene erschlossen. Bewegt man sich auf der Treppe nach oben, fällt der Blick zuerst in das auf der oberen Ebene liegende Atrium. Um diesen Innenhof herum, gruppieren sich die Wohn-, sowie die Individualräume. Das Gebäude bildet nach Westen hin keinen klaren Gebäuderücken aus, sondern schafft durch die Staffelung der einzelnen Gebäudearme nochmals mehrere geschützte, teilw. überdachte und gut besonnte Freiräume. Also eine Art Raumschichtung im Grundriss . Die Fassade wechselt kollagenähnlich ihre Materialien zw. Holz, Schiefer, Putz und Natursteinflächen und geht ganz in der vorhandenen Landschaft und Bebauung auf. Durch das Gründach verschwindet das Haus von oben betrachtet, gänzlich im Hügel.